Leitung:
Dr. phil. Martin Schmidt (München)
Info-Abende: 18. Januar 2012 & 1. Februar 2012 (17 - 19 Uhr)
1. Seminar: 24. – 26.02.2012
2. Seminar: 15. – 17.06.2012
3. Seminar: 19. – 21.10.2012
(Beginn jeweils Freitag, 14:30 Uhr, Ende jeweils Sonntag, 13 Uhr)
Das "Münchner Modell" der systemischen Paartherapie ist am aktuellen Stand der Entwicklungen der Paartherapien und den für die Praxis relevanten Forschungsergebnissen der Paartherapieforschung orientiert. Das therapeutische Vorgehen hat sich vielfach in der Praxis bewährt. Ob es wirkt und wie es wirkt, wird fortlaufend in empirischen Studien evaluiert. Das therapeutische Modell ist systematisch aufgebaut und gut lehrbar. Es erlaubt die flexible Bearbeitung unterschiedlichster Paarprobleme. Die von einem Paar vorgestellten "Probleme" werden im Kontext der aktuellen Situation, der erinnerten Lebens-, Paar- und Familiengeschichten und der vorgestellten Zukunft in Frage gestellt. Ziel der Therapie ist es in der Begegnung mit einem Paar, typische Muster einer problematisierten Lebenspraxis zu erkennen, zu benennen und Raum und Anregung für "Neues" zu schaffen, sodass sich Paare unterstützt fühlen, selbst ihre "Probleme" auch im alltäglichen Kontext zu lösen. Für ein Gelingen dieses Prozesses sind persönliches Engagement, emotionale Bindung, Sicherheit und gemeinsam geteilte Zielvorstellungen aller an der Therapie Beteiligten notwendig.
Der Aufbau des Curriculums orientiert sich an den idealtypischen Phasen und ausgewählten spezifischen Themen von Paartherapien.
Systemtheoretische Denkfiguren und Überlegungen zu Begriffen wie Paar, Liebe und Partnerschaft. Was wissen wir aus wissenschaftlicher Sicht darüber, ob Paartherapie wirkt und wie sie wirkt? Allgemeine Wirkfaktoren der Paartherapie. Philosophie des Münchner Modells und seine therapeutische Umsetzung im Prozess der Paartherapie. Das Konzept der Differenzierung als Grundlage der therapeutischen Theorie der Veränderung. Systematisches Modell der diagnostischen Hypothesenbildung (Bedeutungskontexte, Inhalt und Form der Kommunikation).Therapeutische Haltung der Neutralität und des Nicht-Wissens. Systemische, narrative Fragetechniken. Spezifische Techniken der Initialphase in der Paartherapie: Telephonische Anmeldung und Erstgespräch, Joining und Screening, Auftragsklärung, Befragen von Problem- und Lösungskonstruktionen, Nutzen von Kliententheorien über Veränderung und Ressourcen, systemischer Kommentar und Hausaufgabe. Dokumentationssysteme.
Einbettung der Fragestellungen des Paares in den Kontext der Lebens , Paar und Familiengeschichten und der Zukunftsvorstellungen. Die Entwicklung der Therapeutenpersönlichkeit im Kontext ihrer Familien- und Lebensgeschichte sowie ihrer beruflichen Biographie. Arbeit mit dem Paar-Genogramm. Techniken der Dekonstruktion von Erzählungen. Arbeit mit Briefen. Befragen von Visionen und Zukunftsvorstellungen der Partner. Beendigung der Initialphase: Paardiagnose und systematische Fallformulierung, Kontraktklärung und zukünftige Gestaltung des therapeutischen Systems.
Gestaltung einer systemischen Paartherapiesitzung in der Anfangsphase. Vorbereitung der Therapiephase: Fallformulierung und Entwicklung therapeutischer Ziele. Eröffnung und Befragen von Veränderungen und bedeutsamen Momenten. Auftragsklärung, Befragen der Wirklichkeits- und Möglichkeitskonstruktion von "Problemen" und "Lösungen". Techniken der Episodenanalyse. Interaktionsbeobachtung und -analyse von Konflikten. Systematisches Feedback im Prozess der systemischen Paartherapie. Hausaufgaben in der Therapiephase.
Prozessgestalten von Paartherapien: Empirische Befunde. Gestaltung von systemischen Paartherapiesitzungen in der Mittel- und Endphase. Reflexion der persönlichen Therapietheorie im Hinblick auf deren Passung und konsistente und kohärente Anwendung im Prozess der Paartherapie. Entwicklung des persönlichen Therapiestils durch Video-Rückmeldung. Gestaltung der therapeutischen Allianz im Prozess der Paartherapie, therapeutische Haltung in "schwierigen" Situationen in der Therapie. Techniken der Therapie in Krisensituationen, Arbeit mit Vulnerabilitätszyklen und Techniken der emotionalen Regulation. Verbale und nonverbale Techniken der Intensivierung in der Paartherapie (Skulptur/Rollenspiel). Technik von Bilanzsitzung und Abschlussgespräch.
Systemische Einzeltherapie in der Paartherapie. De- und Rekonstruktion der Lebensgeschichte und der gelernten Beziehungsschemata der Partner. Dramatisierung von Erzählungen (Skulptur/Rollenspiel) und Nutzen des "Körperwissens" (Techniken der Körpertherapie). Arbeit mit körperlich anwesenden/abwesenden Anderen (Technik des/r "internalisierten Anderen", Arbeit mit "inneren Stimmen", Technik des "leeren Stuhls", Arbeit mit dem Skulpturbrett).
Gewaltdefinition, Epidemiologie, Individual- und Paardiagnostik (Persönlichkeitsstörungen, Traumata, Sucht, etc.), Gewalt und Geschlecht; Täter-Opfer-Typologien, Entwicklung von Gewaltproblemen im mehrgenerationalen Familiensystem, Prozesse der Eskalation von Gewalt aus Sicht von "Täter" und "Opfer". Die Sprache der Gewalt. Therapeutische Techniken der Deeskalation. Therapeutische Reaktionen auf Gewalt. Training schwieriger Therapiephasen.
Das Konzept der Differenzierung als Grundlage systemischer Sexualtherapie. Therapeutische Haltung, Sprache im Kontext von Diagnose und Behandlung von Sexualstörungen. Diagnosetechniken, fokussiertes Genogramm, Fragebogen, Episodenanalyse. Indikation und Fallformulierung. Aufbau einer systemischen Sexualtherapie, Strategien und Techniken zur Behandlung spezifischer Themen der Sexualtherapie für Paartherapeuten: Sexualität, Intimität, Affären, Eifersucht. Reflexion und Abschluss der Fortbildung.
Inhalt und Form der Weiterbildung orientieren sich an einer systemisch-konstruktivistischen Weltanschauung. Das Münchner Modell wird durch am Einzelfall orientiertes problembasiertes Lernen vermittelt. Systemisches Denken und Handeln werden in allen Phasen der Therapie in Theorie und Praxis vorgestellt, demonstriert, alle Techniken werden intensiv geübt (Rollenspiel, Videotraining). Das Therapiemodell wird in Form eines Manuals detailliert beschrieben. Das therapeutische Vorgehen wird demonstriert und mittels vielfältiger Fallbeispiele und Lehrfilme veranschaulicht. Von den Teilnehmern wird erwartet, dass sie fortlaufend zur Weiterbildung selbständig Paartherapien durchführen. Diese werden jeweils am ersten Tag eines Moduls (beginnend in Modul 2) vorgestellt und supervidiert (Video- oder Live-Supervision, systemische Konsultation).
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Dr. phil. Martin Schmidt, Dipl.Psych., Psychol. Psychotherapeut, Systemischer Therapeut/Familientherapeut, Systemischer Supervisor und Systemischer Lehrtherapeut (DGSF), leitet die Praxis- und Forschungsstelle in Paar- und Familientherapie am Department für Psychologie der LMU München. Seine Forschungsschwerpunkte sind systemische Paartherapie und systemische Familienrekonstruktion. Er ist Mitherausgeber der bei Hogrefe erscheinenden Reihe „Praxis der Paar- und Familientherapie“. |
Die Fortbildungsreihe ist in erster Linie für Berater- und Therapeuten konzipiert, die die systemische Paartherapie in systematischer Art und Weise erlernen oder sich weiterbilden wollen. Spezifische Voraussetzungen sind:
Anmeldeschluss: 30. September 2011
Nachträglicher Einstieg erst ins 2. Seminar möglich!
Nähere Informationen bei der Geschäftsstelle!